Elektronische Chipkarte für den Nahverkehr in Deutschland geplant

David

Hi, ich bin David, der Gründer des Zugreiseblog. Hier erfährst du alles zum Slow Traveling per Zug – egal, ob beim Interrail in Europa, Work and Travel in Australien oder beim Backpacking durch Südostasien. Du bist neu hier? Dann lies am besten, worum es in meinem Bahnblog geht.

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9 Antworten

  1. Gnarfy sagt:

    Sorry, aber diese Chipkarten sind totale Grütze und extrem kundenunfreundlich.

    Am Beispiel der so viel gelobten OV-chipkaart der Niederlande: Um überhaupt daran denken zu dürfen, in einen Zug einzusteigen, muss für 7,50EUR eine begrenzt gültige Karte erworben werden, die mit mindestens 20EUR aufgeladen werden muss. Guthaben wird auf Antrag nach Ablauf der Karte erstattet – selbstverständlich ausschließlich auf ein niederländisches Bankkonto. Gerade für Touristen ist die Karte also praktisch unbrauchbar.

    Es gibt viel Kritik von Verbraucherverbänden, dass sich einkommensschwache Bürger den Nahverkehr wegen des Mindestguthabens nicht mehr leisten können. Alternativ werden für Bahnkarten einmalige chipkaarts ausgestellt, welche 1EUR teurer sind als das elektronische Ticket. So landen täglich etliche Kilogramm Elektroschrott im Müll.

    Viele NS-Stationen wurden mit poortjes ausgestattet, also Zutrittssperren, die sich nur mit chipkaart öffnen lassen. Für E-Tickets (u.a. sollten dort auch DB-Tickets funktionieren) gibt es idR nur eine Tür mit Barcode-Scanner, welche mit einem Handy-Ticket nahezu nicht benutzbar sind. In der Praxis gehe ich immer hinter einem Mitreisenden einfach durch die Tür…

    Wie man es richtig macht zeigt London, aber nicht etwa mit der angestaubten Oyster: Als Fahrkarte dient die eh vorhandene Kreditkarte. Check-in/Check-out kontaktlos, Bestpreis-Abrechnung und man muss nicht erst irgendwie umständlich Guthaben aufladen und sich bei Abreise um Erstattungen kümmern. SO sollte die Zukunft im Nahverkehr aussehen. Der Nutzer muss mit seinen eh vorhandenen Mitteln einfach einsteigen können, ohne sich um Tarife, Karten, Guthaben oder Äpps kümmern zu müssen. Alles andere ist abschreckend und führt sicher nicht zu einer höheren ÖPV-Nutzung.

    • David sagt:

      Hallo Gnarfy,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Mit dem Mindestpreis bei der OV-Chipkaart stimme ich dir zu, das ist wirklich sehr unpraktisch. Das DB Handy-Ticket hat bei mir jedoch unproblematisch am Scanner in den Niederlanden funktioniert (habe es aber auch nur ein paar Mal in Amsterdam ausprobiert). Für Touristen gibt es dort inzwischen entsprechende Angebote wie etwa die Holland Travel Card, was ebenfalls ein richtiger Schritt ist.

      Da in Deutschland kontaktlose Girokarten kaum verbreitet sind (und noch weniger Kreditkarten), kann eine CICO-Lösung meiner Meinung nach hier nur über eine eigene Chipkarte führen. Die hat außerdem den Vorteil, dass sie übertragbar ist und man damit auch andere Personen fahren lassen kann. In New York ist beispielsweise “SwipeItForward” inzwischen ein echter Trend, um Bedürftigen die kostenlose Metrofahrt zu ermöglichen.

      Und die Guthabenproblematik sehe ich ebenfalls nicht: Gute Lösungen sind entweder direkt an das Konto angebunden (und machen dann eine automatische Aufladung) oder erlauben sogar eine geringfügige Überziehung. In Christchurch ist das zum Beispiel der Fall.

      Viele Grüße

      David

      • Frank sagt:

        Hallo David,

        bei den kontaktlosen Karten muss ich teilweise widersprechen: Gerade Kreditkarte werden inzwischen meistens mit NFC-Chip ausgegeben. Auch viele Bankkarten (meist girocard kombiniert mit Maestro oder V pay) haben schon ein NFC-Interface. Nur ist die “girocard”-Funktion bislang fast immer für die kontaktlose Nutzung gesperrt. Dies wird sich aber relativ bald ebenfalls ändern. Der Punkt ist ja eigentlich, dass man eine bereits vorhandene Zahlkarte bloß für die Nutzung im ÖPNV registrieren müsste und diese fortan sowohl für die Identifizierung und nachgelagert auch gleich für die Zahlung genutzt werden könnte. Die schon reichlich betagte GeldKarte Applikation wurde dafür z. B. schon seit Jahren für die BOB-Karte im VBN genutzt. Neben den eigens hierfür ausgegebenen kontoungebundenen Karten konnte der Kunde auch einfach seine vorhandene Bankkarte nutzen, soweit diese die GeldKarte-Funktion unterstützte. Mittlerweile fungiert GeldKarte bzw. girogo zwar immer noch als technische Basis für BOB, jedoch können bereits vorhandene Bankkarten nicht mehr eingesetzt werden, da diese bislang eben oft noch nicht kontaktlos waren und man diese Funktion – zumindest vermute ich das – für die neuen Lesegeräte dort sicherstellen will. Eigentlich könnte man das neue System genauso gestalten: Der Kunde könnte entscheiden, ob er eine neue, eigens dafür ausgegebene Karte nimmt oder eine bereits vorhandene, kontaktlose Kredit- oder Debitkarte im System registrieren und diese für den Check-In/-Out nutzen will. So könnte man sich eine zusätzlich Karte im Portemonnaie sparen. Nun müsste man nur noch das CICO-Modell inkl. Bestpreis-Garantie, in etwa wie bei Touch & Travel, damit kombinieren. Bei BOB muss man nämlich derzeit noch explizit ein Ticket auswählen und auf den Chip buchen. Das geht zwar nach eigener Erfahrung und Beobachtung nach kurzer Zeit auch sehr schnell, man muss sich aber immer noch ein wenig mit den Tarifen beschäftigen. Mit CICO könnte endlich jeder überall einfach ein- und auschecken und sicher gehen, dass er den günstigsten Preis bekommt ohne jemals einen Blick in den örtlichen Tarif geworfen haben zu müssen. Es wäre dann tatsächlich egal, ob die vielen verschiedene unterschiedlichen und komplizierten Tarifstrukturen der einzelnen Verkehrsverbünde, der Länder und der Bahn(en) weiter wie bisher parallel existieren würden. Der Fahrgast müsste gar nicht wissen, in welchem Verbund und welchem Tarif er gerade fährt. Natürlich vorausgesetzt, es würden möglichst alle an dem neuen System teilnehmen.

        Gruß,
        Frank

      • David sagt:

        Hallo Frank,

        dass NFC bei Kreditkarten mittlerweile üblich ist, weiß ich. Nur sind Kreditkarten in Deutschland nicht üblich ;) Deshalb ist hier ja auch PayPal so unglaublich gefragt im Vergleich zu anderen Ländern.

        Ob sich das bei den girocard ändert, weiß ich nicht. Mal abwarten.

        Viele Grüße

        David

      • Frank sagt:

        @David: Da ist natürlich was dran :) Kreditkarten sind noch bei weitem nicht so verbreitet, wie in vielen anderen Ländern. Muss ja aber auch nicht sein. Eine “normale” Bankkarte hat dafür ja so gut wie jeder und deren Chips verwenden seit einiger Zeit grundsätzlich denselben Standard (EMV), wie ihre Kreditkollegen. Man muss sich also nur auf eine einheitliche Host-Applikation einigen, wie z.B. GeldKarte/girogo und schon könnte es los gehen.

        Aber auch so, mit eigenen dedizierten Karten, halte ich die einheitliche Nahverkehrskarte für eine gute und längst überfällige Sache. Sie dürfte zudem wesentlich einfacher und schneller umsetzbar sein, als eine komplette Reformierung des (meiner Meinung nach unnötig) komplexen Verbundapparates mit all seinen vielen Tarifen in einen einheitlichen bundesweit gültigen Nahverkehrstarif.

  2. Thorsten sagt:

    Also ich finde die Revolutionspläne von unserem Verkehrsminister grundsätzlich gut weil mir das gefällt auf digitalem Weg meine Tickets im Nahverkehr zu buchen! Natürlich fängt jetzt auch wieder die Diskussion über den Datenschutz an sowie ob die ältere Generation das kapiert per Handy zu reisen aber das stört mich nicht! Ich habe nichts zu verbergen und darüber hinaus hasse ich es einen übervollen Gelbeutel zu haben wegen dem Kleingeld! Das würde viel einfacher und schneller gehen digital zu buchen weil wir leben nunmal in einer schnelllebigen Zeit aber Angst davor das unser Bargeld jetzt abgeschafft wird habe ich auch nicht nur weil es immer mehr wird mit Karte oder per App zu zahlen! Viele Grüße an dich! Tschüss!

  3. Michael F. sagt:

    geht in Deutschland nicht da viele alte Leute wie früher nur mit Bargeld bezahlen wollen und mit einem Haufen Geld rumrennen,die kapieren das System nicht oder besser gesagt sie wollen es einfach nicht verstehen , ich bräuchte überhaupt kein Bargeld mehr ,zahle schon jetzt alles einfach mit der Girokarte

    • Frank sagt:

      Das Witzige ist, dass es gar nicht mehr nur die “alten Leute” sind, die nur bar bezahlen wollen. Immer mehr höre ich auch von Jüngeren, dass sie nicht mit Karte bezahlen wollen, weil dann ja jeder Einkauf mit Ort und Zeit ihrer Person zugeordnet werden könne. Und dann holen sie ihre Payback-Karte raus und lassen sie über den Scanner ziehen. Seufz!

      Die Sache mit der Anonymität ist natürlich ein klarer Punkt für Barzahlung. Allerdings gibt es längst Entwicklungen, die auch Kartenzahlungen weitgehend anonymisieren können. Stichwörter: EMV, Tokenization. Bei entsprechenden Kreditkarten, die diese Verfahren nutzen und z.B. auch bei Apple Pay und Android Pay, beschränkt sich der notwendige Vertrauensvorschuss immerhin nur noch auf eine oder einige wenige Stellen, wie die Bank, das Kreditkartenunternehmen oder Apple/Google. Klar für den hardcore datenparanoiden Deutschen ist das natürlich ein schwacher Trost. Immerhin bekommt aber nicht mehr jeder Händler, bei dem man bezahlt die sensiblen Kartendaten, die somit an unübersehbar vielen Stellen gestohlen und missbraucht werden könnten. Es kommt stattdessen nur ein Token anstatt der tatsächlichen Kartennummer zum Einsatz und jede Zahlung wird mit einem One-Time-Kryptogramm autorisiert, welches, selbst wenn es abgefischt würde, nutzlos wäre. So ähnlich wie eine mTAN fürs Online-Banking nur für eine einzige Transkation generiert wird und ansonsten unbrauchbar ist.

  4. Dirk sagt:

    Das beste System ist die Easycard in Taipei. Man zahlt ein wenig Pfand (ich meine knapp über 5€ für die Karte) und lädt Guthaben drauf. Mit dieser Karte spart man einige Prozente im ÖPNV (CICO) gegenüber Einzeltickets (RFID-Münzen, die beim Verlassen der UBahnstation eingeworfen werden, um durch die Tür zu kommen). Die Karte gibt es wahlweise auch als Bankkarte mit Kontoanschluss.
    DIe Karte wurde zur Förderung des ÖPNV eingeführt und ist in Taiwan aus dem Alltag nicht wegzudenken, man bezahlt damit auch sein Würstchen im SevenEleven, genauso kann man dort die Karte auch aufladen (interessanterweise wird im SevenEleven im hochdigitalisierten Taiwan nur Bargeld akzeptiert, wäre sonst ein Verlustgeschäft).
    Möchte man nicht getrackt werden, gibt man seine Karte einfach zurück und holt sich von dem Pfand eine neue Karte.
    BigData-Analysen zur Optimierung des Verkehrssystem sind so möglich, ohne dass man sich Sorgen machen muss, dass seine Daten missbraucht werden. Von dem Land können wir eine Menge lernen.

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